Donnerstag, 28. Juli 2011

Pre-Season Langeweile beim Audi Cup - Fußball durchs Gitternetz

In München befindet man sich als Fußballliebhaber(in) in einer gewissen Bredouille. Wenn man nämlich nicht gerade dem Club anhängt, der beständig am Abgrund entlang wandelt - sei es fußballerisch oder wirtschaftlich -, sondern womöglich vom eigenen Vater hin zur Liebe für die Münchner "Erfolgsmannschaft" geführt wurde, und man aber nicht seit Kindesbeinen an Mitglied bei besagtem Verein ist, dann kriegt man im Normalfall für ein stinknormales Bundesligaspiel keine Karte. Und weil man für ein stinknormales Bundesligaspiel keine Karte kriegt, hat man zwei Möglichkeiten: Nummer 1, man konvertiert von rot zu blau, aber was wäre man für ein Fan, wenn man das täte? Nummer zwei, man gibt sich mit DFB-Pokal- und Champions-League-Vorrunden-Spielen (oder Europa League? nur nicht den Teufel an die Wand malen...) zufrieden. Oder aber man wohnt prä-saisonalen Vorbereitungs-Turnierchen wie dem Audi-Cup bei.

Um sicherzustellen, dass ich, bevor der Prüfungsstress mich endgültig unansprechbar macht (meine Abschlussklausuren stehen im September an), zumindest einmal in dieser Hinrunde die "neue" Mannschaft des FC Bayern zu Gesicht bekomme, wählte ich letztere Option und kaufte eine Karte zum Halbfinale des Audi-Cup und ich bereue es nun, da er vorbei ist so halb. On the plus side, ich war endlich mal wieder in der Allianz-Arena, habe eine Bratwurst gegessen, Bier getrunken und sehr liebe Menschen wiedergetroffen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Habe außerdem so wohlklingende Namen wie Xavi, Iniesta, Ibrahimovic, Nesta, Gattuso, van Bommel, Neuer, Boateng etc. etc. und die zu den Namen gehörigen Fußballer live gesehen. Eigentlich lag die Problematik hauptsächlich darin, dass irgendwie niemand so brutal Lust hatte Fußball zu spielen. Natürlich können Fußballer, wie die des FC Barcelona, nie ganz verheimlichen, dass sie das Spiel beherrschen. Ballannahme und Kurzpassspiel der Katalanen waren wie immer sehenswert. Aber da wäre schon noch mehr gegangen. 

Die Offenbarung des Audi-Cups ist jedenfalls, dass die Abwehr des FC Bayern immer noch nicht so ganz 100 % sicher steht - euphemistisch ausgedrückt. Ibrahimovic schon in der 4. Minute ganz allein vor dem Bayern-Tor? Wir schieben es einfach auf die allgemeine Unlust, die an diesem Tag durch die Allianz Arena schwebte. 

Nachdem das Geschehen auf dem Rasen nicht derart fesselnd war, dass man an nicht anderes mehr denken konnte, habe ich mich ein wenig auf das Fotografieren eben jenes Geschehens verlagert. Da wir in der Südkurve ganz unten saßen, sahen wir beide Spiele durch das Raster des Gitternetzes, das vor eventuellen Ballunfällen schützen soll. Deshalb werden auch die Bilder diesem Gitternetz bestimmt - Fußball durchs Gitternetz also.

Schweigeminute für die Opfer des Attentats in Oslo


Aussichtsreiche Freistoßposition und....


....Goooool de Barcelona

...und man dachte, das wäre schon gelaufen...

Elfmeterschießen FC Barcelona - SC Internacional de Porto Alegre

Panorama View

"Born to be a harte Sau" - Ohne Worte

Aufstellung des FC Bayern
Ach ja, Barcelona hat das Turnier gewonnen. Ich bin vor dem Fernseher eingeschlafen. Und das sagt schon einiges.

Montag, 25. Juli 2011

You'll never walk alone

In Norwegen richtet ein Mann 76 Menschen hin. Und das, um möglichst große Öffentlichkeit für ein Manifest zu bekommen, dass sich wohl zu gleichen Teilen aus Menschenverachtung und rechtem, verblendetem Gedankengut zusammensetzt. In London stirbt eine der begabtesten Musikerinnen unserer Zeit an sich selbst. Die Loveparade-Katastrophe jährt sich zum ersten Mal. 21 Menschen, die ihr Leben aufgrund individueller Fehler und Fehleinschätzungen gelassen haben. Es läuft vieles falsch in der Welt und dieses Wochenende hat uns wieder einiges vor Augen geführt. Ich fühle mich schlecht, dass ich trotzdem wissen möchte, wer in der zweiten Bundesliga gegen wen gewonnen hat und ob Uruguay Paraguay im Copa America besiegt hat. Ich fühle mich schlecht, dass ich morgen zum Audi-Cup gehe. Ich fühle mich schlecht, dass mir dieses triviale Spiel so viel bedeutet, dass es mich für Momente vergessen lässt, was den Rest der Welt bewegt.

Andererseits bin ich froh, dass es diesen Mechanismus in meinem System gibt. In Zeiten, in denen alles schwarz war, in denen nichts mich getröstet hat, habe ich trotzdem Fußball geschaut. Teilweise habe ich von Spieltag zu Spieltag gelebt. Ich weiß nicht, was ich in der restlichen Zeit gemacht habe, aber ich habe mich auf jedes Spiel gefreut. Fußball, Sport im Allgemeinen, Musik, alles, was Menschen bewegt, zum Diskutieren anregt, kann eine Flucht sein, vor Trauer, vor Depression, vor Lethargie. Fußball kann eine Strategie zur Bewältigung sein. Das ist meine Überzeugung. Allerdings muss dafür natürlich schon zuvor das Interesse groß gewesen sein. Bei weitem nicht jeder kann etwas mit dieser, zugegeben äußerst ideologischen Art der Selbsttherapie etwas anfangen. Für Fußballfans jedoch bietet sich ein Fußballspiel an, um wieder unter Leute zu kommen, sich mal wieder über den Schiedsrichter/Trainer/Spieler aufzuregen, anstatt über das eigene Leben.

Mir hat Fußball geholfen, wieder Spaß zu haben. Allerdings hatte ich das Glück, dass sich meine persönliche Tragödie in einem Zeitraum abgespielt hat, in dem der FC Bayern das Finale der Championsleague erreichte und die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika sowohl England, als auch Argentinien dermaßen abfertigte, dass es eine Sünde gewesen wäre, nicht über das ganze Gesicht zu grinsen. In einer bayerischen Klinsmann-Saison hätte das ganze wohl anders ausgesehen.

Problematisch wird es allerdings, wenn man tatsächlich nur noch für den Fußball lebt. Wenn man für immer von Spieltag zu Spieltag lebt. Wenn die einzigen Leute, die man noch trifft, die anderen Dauerkartenbesitzer in der Kurve sind. Wenn keine Meinung neben der des Vereins mehr gehört wird. Wenn man zu Uwe Ochsenknecht in dem ganz wundervollen Film "Fußball ist unser Leben" wird.  Aber dafür sind wohl vor allem Männer anfällig.

Ich wünsche den Überlebenden, den Familien und Freunden der Opfer des Massakers von Norwegen, dass sie miteinander die Kraft finden, diese Tragödie durchzustehen und sie irgendwann wieder etwas finden, das ihnen die Freude am Leben zurückgibt.


Montag, 11. Juli 2011

Tragisch...

...ist das frühe Ausscheiden der deutschen Frauen allemal, wird es, meiner Meinung nach, doch ziemlich viel kaputtmachen von dem was in den letzten Wochen und Monaten mühsam aufgebaut worden ist.
Trotzdem muss man sagen: Schlecht gespielt, zu Recht rausgeflogen. Man hätte sich einen Kampf gewünscht, wie den der Amerikanerinnen, die gegen Brasilien einen unglaublichen Siegeswillen bewiesen haben und nun zurecht im Halbfinale stehen. Call me oldfashioned, aber ich freu mich einfach immer, wenn Brasilien ausscheidet.

Ach ja, und wie lustig ist es eigentlich, dass das englische Elfmetertrauma nun auch den Frauen anhaftet. Das passiert eben, wenn man sich dem Männerfußball Schritt für Schritt annähern will.

Irgendwie ist diese Frauen-WM aber doch nur ein Lückenfüller für die Sommerpause. Schon werden die Top-Meldungen wieder aus den Trainingslagern der Bundesligisten geliefert. Anscheinend wird bei Bayern eine Jungspund, dessen Namen eine Mischung aus den Herren Schweinsteiger und Müller verspricht, von Trainer Heyneckes mit Extralob bedacht. Und das, so muss ich zugeben, finde ich immer noch bei weitem interessanter, als Siliva Neids Ausreden.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Nach der Polemik der letzten Tage...



...wird es heute ein wenig filigraner. Gestern war nämlich ein großer Tag für mich (zumindest in der Theorie). Mein erstes WM-Spiel live. England gegen Japan. Endstand 2:0. Hier meine Impressionen:

Eine Mutter hält zwei Söhne an ihren Händen.
Einer trägt ein Japan T-Shirt.
Einer trägt ein England T-Shirt.
Harmonie.
Kindergeschrei an jeder Ecke.
Eine Frage:
Warum gehe ich ausgerechnet am Familientag ins Stadion?

Auf dem Damenklo kaum Betrieb,
trotz Frauen-WM.

Platzsuche,
Hymnen,
Spielbeginn.
Stille.

9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 
Laola.
Sie schafft es über drei Blocks.
Stille.
Klatschen.
Stille.
15. Minute: schöner Lupfer.
Tor für England.
Klatschen.
Stille.

9,8,7,6,5,4,3,2,1
Laola. 
Das einzige Mittel der Anfeuerung.
Miteinander anfeuern,
nicht gegeneinander.
Harmonie.
Klatschen.
Stille.

66. Minute: ein Lupfer.
Tor für England.
Klatschen.

9,8,7,6,5,4,3,2,1
Laola.
Schlußpfiff.
Viele sind schon weg.
England und Japan 
danken gemeinsam.

Harmonie.
Pfui bäh!
Harmonie hat doch im Fußball nichts verloren.

Noch vier Wochen bis zum Beginn der Bundesliga!

Sonntag, 3. Juli 2011

Schiedsrichter sind ja nie besonders gut...

...aber es scheint als würde die weibliche Bastion der Schwarz-(bzw. Gelb-)Hemden die Leistung ihrer männlichen Gegenstücke noch unterbieten wollen. Erst lässt Frau Sung-Mi Cha zu, dass sich im Spiel Deutschland gegen Nigeria die Damen mehr auf die Füße geben, als sie wirkungsvoll vor das Tor kommen und lächelt dabei, als würde sie an die hübschen Schuhe denken, die sie erst letzthin im Schaufenster gesehen hatte,  (Ich weiß, dass ich hier in die unterste Schublade der Frauenklischees greife, aber ich bin selber eine Frau, ich darf das.) und jetzt das: Im Spiel Australien gegen Äquatorialguinea wurde Handball gespielt. Und die Schiedsrichterin, deren Name an einen Mann erinnert, der vielen nur als das Feierbiest in Erinnerung bleiben wird, Gyoengy Gaal, hat es nicht gesehen. Halt, ich widerrufe meine vorherige Aussage. Es wurde nicht Handball gespielt. Nachdem ich mir die Situation noch einmal auf youtube (http://www.youtube.com/watch?v=cR2wAL8NaHo) angesehen habe, muss ich sagen: Solange darf man den Ball beim Handball gar nicht in der Hand halten. Also, es wurde irgendeine Sportart gespielt, in der man den Ball einfach wahnsinnig lang in der Hand halten darf und in dann einfach fallen lässt, als sei nichts geschehen.

Je öfter man sich das Ganze anschaut, desto slapstickartiger wirkt es. Der schön vorgetragene Angriff der Australierinnen. Der Pfostentreffer. Die Flugkurve des Balles. Das absolut unaufgeregte Fangen des Balles durch die Spielerin Bruna. Ihr unbewegter Gesichtsausdruck als sie den Ball in der Hand hält und ihn schließlich hinter sich fallen lässt. Die große Fassungslosigkeit der Australierinnen, als ihnen klar wird, dass es keinen Pfiff geben wird. Wie sie noch weiter mit ausgestreckten, wedelnden Armen über das Feld laufen, als das Spiel schon weiter läuft.

Natürlich schaut man sich unter anderem wegen Szenen wie dieser Fußball an. Szenen wie diese bieten Diskussionsstoff für mehrere Tage und man kann sie immer wieder einfließen lassen, wenn es um Schiedsrichterdiskussionen oder um die Einsetzung technischer Hilfsmittel im Fußball geht. Und dennoch zeigen sie uns auch, wie es um die Qualität, in diesem Fall, der Schiedsrichterinnen bestellt ist.  Es ist zu vermuten, dass dies mit einer fehlenden Professionalität mancher Länder im Frauenfußball zusammenhängt, die sich selbstverständlich auch durch die Schiedsrichterverbände ziehen dürfte. Dennoch finde ich es problematisch, ein Turnier wie diese Weltmeisterschaft aufzublasen, zu hypen und so hart dafür zu arbeiten, dass der Frauenfußball aus dem Schatten des Männerfußballs heraustritt und dann den Zuschauern von Seiten der Offiziellen eine derartige Leistung zu bieten.

Bibiana Steinhaus würde ich gerne aus dieser Kritik ausschließen, da ich ihre Leistung und ihre Präsenz auf dem Platz bisher sehr überzeugend fand und ich hoffe, dass das auch weiterhin so bleiben wird.

Es wäre an der Fifa, auch die Ausbildung der SchiedsrichterInnen und deren Leistungen besser zu überprüfen, um vor allem bei großen Turnieren halbwegs gewährleisten zu können, dass es nicht mehr zu solchen Szenen kommen möge.

Freitag, 1. Juli 2011

..so nicht meine Damen, so nicht!

Ich habe eine Nacht darüber geschlafen, denn in der Hitze des Gefechts schreibt man doch schnell etwas, dass man später möglicherweise selbst als übertriebene Härte bezeichnen würde. Leider hat es nichts gebracht. Die Enttäuschung hält an. Die Euphorie war groß und jetzt ist sie weg. Verpufft. Aus. Vorbei. Das Spiel gestern gegen Nigeria hat einiges kaputtgemacht, was in wochenlanger Kleinst- und Größtarbeit aufgebaut wurde. Den Chauvinisten, Sexisten und Besserwissern dieses Landes wird es einfach gemacht. Die Worte "Hab ich's nicht gleich gesagt? Frauenfußball ist und bleibt langweiliges, langsames Ballrumgeschiebe." werden ihnen praktischerweise gleich in den Mund gelegt. Dabei wird natürlich geflissentlich übersehen, dass sich die Männer in ihrem zweiten Gruppenspiel der letzten WM auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben, inkl. verschossenem Elfmeter und Ballrumgeschiebe. Aber bei den Männer kennt man zumindest die Namen. 

Es ist ja schön, dass das Viertelfinale bereits erreicht wurde. Aber bitte, Ladies, liefert ein Feuerwerk gegen Frankreich ab, damit euch niemand mehr langweiliges Ballgeschiebe nachsagen kann und euren Kritikern endlich andere Worte in den Mund gelegt werden als "Ja, schlecht schaut die Bajramaj wirklich nicht aus.".

Sonntag, 26. Juni 2011

"...man schaut sich ja auch die Paralympics an." - und andere Frechheiten zum Start der Frauen-WM

Frauenfußball ist nicht die beliebteste aller Sportarten und deshalb ringen die weiblichen Pendants zu Thomas Müller, Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski seit Monaten verzweifelt um Aufmerksamkeit. In ungefähr genau 30 Minuten wird sich herausstellen, ob sich die zahlreichen Werbespots, Interviews und die Playboy-Auszieherei von Spielerinnen, die zwar (noch) nicht Teil der aktuellen Nationalmannschaft sind, sich aber dennoch der "Sache" mit all ihrem Herzblut verschrieben haben, gelohnt haben.
Das Eröffnungsspiel ist ausverkauft, bei einigen Gruppenspielen ohne deutsche Beteiligung sieht es jedoch noch nicht ganz so rosig aus. In Augsburg werden Karten für das Spiel Norwegen gegen Äquatorial-Neuguinea zu äußerst günstigen Konditionen in Schulen angeboten, oder einfach verschenkt. Deutschland muss wieder für ein Sommermärchen sorgen.
Allen ist klar, dass dieses Turnier nicht für eine annähernd so elektrisierte Stimmung sorgen wird, wie das 2006 und auch 2010 der Fall war. Die Straßen werden nicht leer gefegt sein, wenn Deutschland spielt. Einer der eine Garten-Public-Viewing Party anlässlich der WM veranstalten will, dürfte im Bekanntenkreis doch noch eher belächelt werden, das ist aber noch lange keine Grund für Aussagen, wie die des Nico Rosberg, der am Sonntag den Vergleich zwischen Frauen-WM und Paralympics gezogen hat. Das zeugt  einer Respektlosigkeit sowohl dem Frauenfußball als auch den Paralympics gegenüber, die noch seinesgleichen sucht und ist ganz schön frech von einem, dessen Sport darin besteht mit einem Auto im Kreis zu fahren (jaja, auch das ist wahnsinnig kräftezehrend usw...). Aber zumindest will er es sich anschauen, und sagt das so, als würde er bei einer Benefizgala wahnsinnig viel Geld spenden, oder höchstpersönlich Analphabeten das Lesen lehren. Zitat: "Man schaut doch auch Paralympics - Menschen, die nicht ganz so große Leistungen bringen können , aber unter sich ist es trotzdem spannend."
Damit kann sich Herr Rosberg einreihen in eine ganze Reihe von herausragend chauvinistischen Meinungen, die im Laufe der Jahre über den Frauenfußball geäußert wurden:

Johannes Rau (Ex-Bundespräsident) auf die Frage, ob Fußballstadien nicht auch mal nach Frauen benannt werden sollten:
"Und wie soll dann bitte so ein Stadion heißen? Vielleicht Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion?"
Diese Frage hat sich natürlich inzwischen erledigt, da Stadien nun eh nur noch nach irgendwelchen Firmen benannt werden...

Und auch Ex-Nationaltrainer und Das-gelobte-Spiel-nach-Aserbaitschan-Bringer Berti Vogts ist "an sich gegen Damenfußball. Es gibt so viele schöne Sportarten. Warum ausgerechnet Fußball für die Dame?".
Weil nur Eiskunstlauf und Ballett auf die Dauer keinen Spaß macht, Herr Vogt!

So nur noch drei Minuten. Ich mag Frauenfußball und ich schau mir das jetzt an.

Montag, 9. Mai 2011

Ein perfekter Tag

Es ist geschafft. Die Angst, die Anspannung, die Befürchtungen alles abgelöst von einem einzigen Gefühl: rot-grün-weiße Glückseligkeit. 

Strahlend blauer Himmel begleitet unsere Reise vom Wittelsbacher Land in die Stätte der Hoffnung: die Impuls-Arena. Das weiße Trikot frisch gewaschen, den Schal um das Handgelenk geschwungen, so reihen wir uns in die Reihe der anderen Pilger ein. Die Stimmung ist angespannt. Niemand singt, niemand schreit. Es wird leise diskutiert über die möglichen Ausgangsszenarien des Spieltags, über den 1:8  Sieg des FC Bayern über St. Pauli - ein Schicksal, das dem FC Augsburg im Falle des Aufstiegs auch drohen könnte -, über die Problematik die Mutter am Muttertag wegen eines Fußballspiels zu versetzen. Vielleicht liegt es auch nicht in der Natur des Schwaben ungelegte Eier zu feiern, vielleicht erinnert sich der ein oder andere auch an die letzte Saison, in der der Aufstieg knapp verfehlt wurde. 

Nachdem man das Drehkreuz passiert hat, schlägt das Herz des sparsamen Schwaben höher: Fahnen, für umsonst! 30000 Fahnen werden verteilt. Das ganze Stadion ein einziges Fahnenmeer. Sogar die Gästetribüne ist an diesem Tag in Augsburger Hand. Der FSV Frankfurt bringt gefühlte 12 Fans mit nach Augsburg, die von gefühlten 50 Securities bewacht werden, aber dennoch mutig ihre zwei Fahnen schwingen. Die Plätze im O-Block werden gesichert, die Getränke geholt, das frisch gewaschene weiße Trikot im Gedränge mit einer Mischung aus Bier, Radler und Cola durchtränkt. Dann werden zum ersten Mal die Fahnen herausgeholt und das Haller-luhja klingt aus ca. 1000 Kehlen. Die Impuls-Arena ist nicht das meist-ausverkaufte Stadion der Liga und die meisten Menschen, die sich heute hier versammelt haben, kennen das Kult-Lied des FC Augsburg zu Ehren des ewigen Helden Helmut Haller gar nicht. Dafür schwingen sie ihre Fahnen umso enthusiastischer und so sei ihnen ihre Textunkenntnis verziehen. Die FCA-Hymne wird dann noch enthusiastischer mitgesungen, v.a. die "schöne Stadt" wird zelebriert. Man ist stolz aus Augsburg zu kommen, und das nicht nur wegen Bertold Brecht und der Puppenkiste, sondern wegen Männern wir Uwe Möhrle, Michael Thurk, Nando Rafael, Simon Jentzsch und Jos Luhukay.

Es wird angepfiffen. Jetzt heißt es 90 Minuten höchste Konzentration. Bei Mannschaft und bei Fans. Der M-Block stimmt ein Lied nach dem anderen an. Es dauert jedoch nur so ziemlich genau 120 Sekunden, da verstummt das Stadion. Sankoh leistet sich einen Bock auf Höhe der Mittellinie, Kapitän Uwe Möhrle versucht den Faux-Pas des Mitspielers auszugleichen und säbelt dabei den Frankfurter Mölders im Strafraum um. Kempter, der Schiedsrichter des heutigen Tages, deutet auf den Elfmeterpunkt. "Simon, Simon" - Anfeuerungsrufe für Keeper Simon Jentzsch verhallen im Stadion als Gjasula den Ball zum 0:1 unhaltbar versenkt. Der Rest ist Schweigen, ungläubiges Kopfschütteln, kurze Verzweiflung. Ist der Traum bereits vorbei? Dann schleicht sich ein leiser Gedanke ein: Moment mal, es sind gerade mal 3 Minuten gespielt. Es ist noch nichts verloren. Der M-Block stimmt das nächste Lied an und man besinnt sich wieder darauf, die Mannschaft nach vorne zu peitschen.

Und die Bemühungen tragen Früchte. In der 14. Minute egalisiert Michael Thurk, dessen Rückennummer ich nun umso stolzer auf dem Rücken trage, die Führung der Frankfurter. Der Rest ist Schreien, Umarmungen, die Faust in die Luft recken, High-Fives verteilen, zu Eine Insel mit zwei Bergen tanzen und dann langsam wieder in die Realität zurück finden. Es fehlt ja noch ein Tor zur endgültigen Erlösung. Schnell ist die Euphorie über den Ausgleich im Block O wieder verschwunden. Sie wird abgelöst von einer Ernüchterung, die mit jeder vergebenen Chance, mit jeder ertraglosen Ecke, mit jeder fragwürdigen Schiedsrichterentscheidung größer wird. Vor allem die Eckballstatistik - beim Abpfiff 14:1 für den FCA - lässt den ein oder anderen zum Zyniker werden. 'Regelverbesserungen' werden vorgeschlagen: 3 Ecken = 1 Elfmeter. Ja, wenn es doch nur so wäre! 

Dann, die 85. Minute. Der eingewechselte Stephan Hain erlöst mich, erlöst die Leute um mich herum, erlöst ganz Augsburg. Der Ball ist im Tor. Gerne würde ich beschreiben, was ich gefühlt habe. Geht aber leider nicht. Blackout nämlich. Purer Euphorie-Blackout. Aber es war gut. Sehr gut. 

Sehr pünktlich pfeift Kempter die Partie ab. Ein guter Mann. Dann stürmen Fans das heilige Grün. Die Spieler liegen übereinander. Luhukay läuft Slalom auf dem Rasen. Im M-Block drücken die Leute von hinten, sodass ein Tor geöffnet werden muss. Der Stadionsprecher bittet darum zurückzubleiben und nicht weiter zu drücken. Ich fühle mich an Stadionkatastrophen wie Hillsborough 1989 erinnert. Aber ich habe auch einen Hang zum Dramatischen. An diesem perfekten Tag geht alles gut aus. Den Leuten auf dem Rasen wird ein Aufstiegsshirt geschenkt, dann werden sie von der Polizei vom Rasen geleitet um für die Mannschaft Platz zu machen, die nun endlich auch mit der den Stehrängen feiern kann. Und wie sie feiern. Und wie wir feiern. Und wie alle feiern. 

Dann verschwindet die Mannschaft in den Katakomben des Stadions und wir machen uns auf den Heimweg. Noch schnell den Aufstiegsschal gekauft, kurz die Gesichtsmuskeln vom vielen Grinsen entspannt und dann ab nach Hause nach München. Mit so viel Freude im Herzen macht es auch nichts aus, dass man auf dem Heimweg noch ein bisschen von einem frustrierten 1860 Fan angegrantelt wird. Es ist Aufstieg! 

Dienstag, 3. Mai 2011

Die Angst der letzten Spieltage

Im Juni 2005 stand ich im altehrwürdigen Rosenaustadion in Augsburg und erwartete freudigst das letzte Spiel der Saison der Regionalliga Süd. Der FC Augsburg stand kurz vor dem Aufstieg in die 2. Bundesliga und nur der SSV Jahn Regensburg konnte den Schwaben noch einen Strich durch die Rechnung machen. Ein Unentschieden hätte gereicht um der Mannschaft Einlass in den Profihimmel zu gewähren. Die Champagnerkorken waren bereits gelockert, als Jahn Regensburg in der 89. Minute (keine Garantie auf diese Zahl, es war jedenfalls verdammt spät) den Ball zum Siegtreffer im Tor versenke und die gesamte Augsburger Fanschaft mit ansehen musste, wie ein euphorisierter Mario Basler über den Platz hüpfte um einen Sieg zu feiern, der seiner Mannschaft so rein gar nichts bedeutet haben dürfte. Außer natürlich dem Lokalrivalen aber mal so richtig eins vor den Latz gegeben zu haben.

To make a long story short, seit diesem Tag habe ich Angst vor dem letzten Spieltag. Und ich kann nur ahnen, wie es Schalke (Stichwort: "Meister der Herzen") und Leverkusen Fans (Stichwort: "Vizekusen") in dieser Hinsicht ergeht, mussten sie doch mit ansehen, wie ihnen und ihren Mannschaften am letzten Spieltag noch der Titel "Deutscher Meister" aus den Händen glitt, wie ein Traum, den man eigentlich nie hätte träumen dürfen. 

Es ist ein Phänomen, dass bei vielen Mannschaften auf den letzten 100 Metern das große Nervenflattern beginnt, ihnen die Puste ausgeht und sie schlicht und ergreifend über ihre eigenen Füße fallen. Man könnte das ganze wohl mit Prüfungsangst vergleichen, also der Angst die Menschen vor oder während des Moments verspüren, in dem sie ihr Wissen und Können zum Sinne und Zweck einer Bewertung darlegen sollen. Es ist oft eine irrationale Angst, hat man sich doch im Normalfall auf die Prüfung vorbereitet und sollte sich durchaus bewusst sein, dass Wissen und Können vorhanden ist. Und doch führt sie oft zu einer Lähmung des Verstandes, einer Lähmung aus der Angst heraus. 

Auf den Fußball angewendet, beinhalten die letzten Spieltage oft die Momente, in denen entschieden wird, wem der Titel des Meisters zuteil wird, wer in der nächsten Saison den internationalen Wettbewerben beiwohnen darf, wer sich vor dem Abstieg retten kann und wer in der nächsten Saison das Oberhaus nun aus dem Keller heraus beobachten muss. Die Prüfungen sind die letzten Spieltage, die Bewertung der finale Tabellenplatz. Auch hier sind Ängste unangebracht. Im Laufe der Saison sollte sich eigentlich jede Mannschaft ihrer Qualität, ihrer Stärken und Schwächen bewusst geworden sein. Der Druck der Öffentlichkeit, die Erwartungen der Fans, sowie die Masse der Betrachter sind im Profisport natürlich ungleich höher als in einer "normalen" Uniprüfung, dennoch ist es, wie an der Uni wichtig und sinnvoll sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und den Druck positiv und als Ansporn zu nutzen.

Oliver Kahn hat es vorgemacht: "Das ganze Stadion wird gegen uns sein. Außer den Bayernfans wird ganz Deutschland gegen uns sein. Etwas Schöneres gibt es nicht."  Noch nie hat jemand Druck so schön umarmt wie Oliver Kahn und der Erfolg gibt ihm Recht.

Der FC Augsburg ist im darauffolgenden Jahr in die 2. Bundesliga aufgestiegen und spielt nun, 6 Jahre später, um den Aufstieg mit. Momentan liegt die Mannschaft 3 Punkte vor dem Relegationsplatz und könnte am Sonntag gegen den FSV Frankfurt alles klar machen. Die letzten beiden Spiele, jedoch, wurden nicht gewonnen und verspüre ich einen Kloß im Hals wenn ich daran denke, dass noch zwei Spieltag bevorstehen. Zwei Spieltage. Ich habe Angst.





Sonntag, 1. Mai 2011

Der Sieg der Gelassenheit

Gestern hat Borussia Dortmund die deutsche Meisterschaft gewonnen. Verdientermaßen. Eine Horde Jungspunde, die zu Beginn der Saison noch niemand auf der Rechnung hatte, hat dem Rest der Liga gezeigt wo der Hammer hängt. Angeführt von einem ebenso fröhlichen wie dynamischen Mann, hat sich ein Team formiert, wie es die Bundesliga schon länger nicht mehr gesehen hat. Die jüngste Meister-Mannschaft der Bundesligageschichte hat sich über die Saison hinweg als sehr homogenen Kollektiv präsentiert, mit einem  Roman Weidenfeller im Tor, der trotz seines hohen Alters (30!) an Oliver Kahns Rekord kratzt, einer Abwehr...ach Gott, die verschiedenen Lobeshymnen kann man auf jeder anderen Website nachlesen. Tatsache ist, Borussia Dortmund ist deutscher Meister, weil sie in dieser Saison über lange Zeit den besten Fußball geboten haben und weil die restlichen Mannschaften zu wenig konstant und zu beschäftigt mit sich selbst waren. Das muss man neidlos anerkennen, gefallen muss einem das aber deswegen noch lange nicht. Jeder Fan will die eigene Mannschaft oben sehen und nur wenn die eigene Mannschaft oben steht, dann kann man sich auch wirklich des Lebens freuen. Hach, in diesen Tagen BVB-Fan sein und sich des Lebens freuen! Es wäre die reinste Wonne. Lebt man in der südlichen Hälfte Deutschlands, jedoch, so verfällt man inzwischen schon in Euphorie wenn man um zwei Punkte den dritten Platz zurückerobert hat. Aber immerhin. In der Not frisst der Teufel fliegen. Und man nimmt gerne alles hin, das von der lästigen "Chefchen"-Affäre ablenkt. "Chefchen" - was für ein saublödes Wort. Mehr ist dazu eigentlich auch nicht zu sagen.

Und die treue Uli Hoeneß Anhängerschaft kann sich zumindest freuen, dass der ewige Staatsfeind Nr. 1, als Retter gehypt, die arme Eintracht immer weiter in die Abstiegszone führt. Armes Frankfurt. Die Hinrunde wurde noch auf Platz 7 beendet und nun droht tatsächlich der Abstieg. Den Ausfall der fast kompletten Abwehr, außerhalb des Platzes ein stetiges Geplänkel um Transfers und Vertragsverlängerungen und eine steigenden Verunsicherung im Team scheint auch ein Christoph Daum nicht kompensieren zu können.

Überhaupt scheint es so, als könnten diejenigen Mannschaften, die sich in dieser Saison am wenigsten mit Trainer-, Transfer- und "Chefchen"-Fragen beschäftigen mussten, und sich so in aller Ruhe und völlig gelassen dem Fußball widmen konnten, die größten Erfolge feiern. Borussia Dortmund und Mainz 05 sind die besten Beispiele dafür, dass ein bisschen Gelassenheit oft nicht schaden kann. Es wäre wünschenswert, dass auch andere Mannschaften sich von dieser Gelassenheit eine Scheibe abschneiden und so die Meisterschaft nächste Saison wieder ein Stück spannender wird. Bis dahin, herzlichen Glückwunsch Borussia Dortmund zur Meisterschaft und zum Sieg der Gelassenheit!

Eine Einleitung

Some people think football is a matter of life and death. 
I assure you it is much much more than that.

Dieser Blog ist für alle, die Bill Shankly's Aussage ohne mit der Wimper zu zucken unterschreiben würden. Für alle, die sich auf jeden Spieltag freuen, wie ein Kind auf Weihnachten. Für alle, deren emotionaler Zustand sich zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt bewegt und das oftmals mit der Flugkurve des Balles. Für Frauen und Männer.