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Montag, 1. August 2011

Lieber Herr Rettig, Lieber Herr Luhukay,

es tut mir sehr leid, dass ich Sie damit belästige, aber halten Sie es wirklich für eine gute Idee einen Spieler wie Michael Thurk 5 Tage vor Saisonbeginn einfach so vor die Tür zu setzen? Falls Sie es schon vergessen haben, hätte Michael Thurk nicht am letzten Spieltag den Ausgleich gegen den FSV Frankfurt geschossen, wäre der Traum vom Aufstieg vielleicht gar nicht erst wahr geworden. Es war auch sein Traum. In Blickpunk Sport, als der Aufstieg gerade erst klar gemacht worden war, saß er, vielleicht ein wenig bierselig, und erzählte, wie ihn frühere Mitspieler belächelt hätten, als er zum FC Augsburg wechselte und den Aufstieg zum Ziel erklärte. Er war bis in die Fingerspitzen motiviert, es diesen ehemaligen Mitspielern zu zeigen. Es wäre wahrscheinlich das Tüpfelchen auf dem I für ihn gewesen, sich zumindest eine Saison gegen eben jene Mitspieler beweisen zu dürfen. Ihm dieses Tüpfelchen zu verwehren, und das so kurz vor Erreichen der Zielgerade halte ich für nicht allzu gelungen. Zum einen zeugt es nicht gerade von großem Fingerspitzengefühl, da mit dieser kurzfristigen Entscheidung, die nur äußerst spärlich begründet wird, auch die Fans vor den Kopf gestoßen werden, bei denen Thurk als Sympathieträger der letzten Jahre hoch im Kurs stand. Zum anderen weist es darauf hin, dass der FCA, bzw. Sie, meine Herren, in Sachen Personalplanung noch einiges zu lernen haben. Die meisten Neuzugänge stehen schon seit mehreren Wochen fest, man weiß um den momentanen Zustand des Kaders. Es wäre nur fair, sich bereits frühzeitig Gedanken über dererlei Dinge zu machen und einen Spieler zumindest rechtzeitig über den Stand seiner Personalie zu informieren, sodass er immerhin noch die Chance hätte, bei einem anderen Verein unterzukommen.

Es ist schade, dass der FCA den Fans nicht mitteilt, welche tatsächlichen Überlegungen zu diesem Schritt geführt haben. Es bleiben nur Spekulationen, wie die, dass Thurk wohl vielleicht etwas zu deutlich seine Meinung darüber mitgeteilt habe, dass er am Samstag beim blamablen DFB-gerade-noch-so-gewonnen-aber-hauptsache-wir-sind-weiter-Sieg nicht auf dem Platz stehen durfte. Lässt man die wahren Gründe, die nur Sie meine Herren kennen, beiseite, so bleibt auf jeden Fall eines stehen: Michael Thurk ist freigestellt, d.h. er wird wohl nicht mehr für den FC Augsburg auflaufen. Für mich, und viele andere Fans auch (siehe: Facebook) stellt es sich aber so dar, als wäre Michael Thurk in dieser allerersten Bundesligasaison noch durchaus eine Bereicherung gewesen, zumal dem Verein zum einen seine Erfahrung und zum anderen sein Torriecher, den er stets unter Beweis gestellt hatte, zupass gekommen wäre. Des weiteren zeigt sich durch die Personalie Thurk, dass Ihre Transferpolitik wohl noch Verbesserung bedarf, sodass Sie in Zukunft ihre Spieler wieder fairer behandeln können. Denn es nicht fair, 7 (!) Stürmer (inkl. Thurk) in einen Kader aufzunehmen, von denen im Prinzip, nach der Systemumstellung, immer nur einer spielen kann. Es ist natürlich sinnvoll für eine gewisse Konkurrenz im Kader zu sorgen, doch ich glaube, dass Sie eventuell ein wenig über die Stränge geschlagen haben.

Ich und wahrscheinlich viele andere auch werden Michael Thurk in Augsburg vermissen. Ich werde ihn weiterhin stolz auf dem Rücken tragen und ich hoffe, dass er die Zeit in Augsburg trotzdem in guter Erinnerung behält - was bei der Abfuhr allerdings schwierig sein dürfte.

Mit freundlichen Grüßen

S.K.

für weitere Infos:
http://www.fcaugsburg.de/cms/website.php?id=%2Findex%2Faktuell%2Fnews%2Fdata9786.htm
http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/555886/artikel_michael-thurk-freigestellt-trennung-angestrebt.html

    Viel Glück, Michael Thurk!!

Montag, 9. Mai 2011

Ein perfekter Tag

Es ist geschafft. Die Angst, die Anspannung, die Befürchtungen alles abgelöst von einem einzigen Gefühl: rot-grün-weiße Glückseligkeit. 

Strahlend blauer Himmel begleitet unsere Reise vom Wittelsbacher Land in die Stätte der Hoffnung: die Impuls-Arena. Das weiße Trikot frisch gewaschen, den Schal um das Handgelenk geschwungen, so reihen wir uns in die Reihe der anderen Pilger ein. Die Stimmung ist angespannt. Niemand singt, niemand schreit. Es wird leise diskutiert über die möglichen Ausgangsszenarien des Spieltags, über den 1:8  Sieg des FC Bayern über St. Pauli - ein Schicksal, das dem FC Augsburg im Falle des Aufstiegs auch drohen könnte -, über die Problematik die Mutter am Muttertag wegen eines Fußballspiels zu versetzen. Vielleicht liegt es auch nicht in der Natur des Schwaben ungelegte Eier zu feiern, vielleicht erinnert sich der ein oder andere auch an die letzte Saison, in der der Aufstieg knapp verfehlt wurde. 

Nachdem man das Drehkreuz passiert hat, schlägt das Herz des sparsamen Schwaben höher: Fahnen, für umsonst! 30000 Fahnen werden verteilt. Das ganze Stadion ein einziges Fahnenmeer. Sogar die Gästetribüne ist an diesem Tag in Augsburger Hand. Der FSV Frankfurt bringt gefühlte 12 Fans mit nach Augsburg, die von gefühlten 50 Securities bewacht werden, aber dennoch mutig ihre zwei Fahnen schwingen. Die Plätze im O-Block werden gesichert, die Getränke geholt, das frisch gewaschene weiße Trikot im Gedränge mit einer Mischung aus Bier, Radler und Cola durchtränkt. Dann werden zum ersten Mal die Fahnen herausgeholt und das Haller-luhja klingt aus ca. 1000 Kehlen. Die Impuls-Arena ist nicht das meist-ausverkaufte Stadion der Liga und die meisten Menschen, die sich heute hier versammelt haben, kennen das Kult-Lied des FC Augsburg zu Ehren des ewigen Helden Helmut Haller gar nicht. Dafür schwingen sie ihre Fahnen umso enthusiastischer und so sei ihnen ihre Textunkenntnis verziehen. Die FCA-Hymne wird dann noch enthusiastischer mitgesungen, v.a. die "schöne Stadt" wird zelebriert. Man ist stolz aus Augsburg zu kommen, und das nicht nur wegen Bertold Brecht und der Puppenkiste, sondern wegen Männern wir Uwe Möhrle, Michael Thurk, Nando Rafael, Simon Jentzsch und Jos Luhukay.

Es wird angepfiffen. Jetzt heißt es 90 Minuten höchste Konzentration. Bei Mannschaft und bei Fans. Der M-Block stimmt ein Lied nach dem anderen an. Es dauert jedoch nur so ziemlich genau 120 Sekunden, da verstummt das Stadion. Sankoh leistet sich einen Bock auf Höhe der Mittellinie, Kapitän Uwe Möhrle versucht den Faux-Pas des Mitspielers auszugleichen und säbelt dabei den Frankfurter Mölders im Strafraum um. Kempter, der Schiedsrichter des heutigen Tages, deutet auf den Elfmeterpunkt. "Simon, Simon" - Anfeuerungsrufe für Keeper Simon Jentzsch verhallen im Stadion als Gjasula den Ball zum 0:1 unhaltbar versenkt. Der Rest ist Schweigen, ungläubiges Kopfschütteln, kurze Verzweiflung. Ist der Traum bereits vorbei? Dann schleicht sich ein leiser Gedanke ein: Moment mal, es sind gerade mal 3 Minuten gespielt. Es ist noch nichts verloren. Der M-Block stimmt das nächste Lied an und man besinnt sich wieder darauf, die Mannschaft nach vorne zu peitschen.

Und die Bemühungen tragen Früchte. In der 14. Minute egalisiert Michael Thurk, dessen Rückennummer ich nun umso stolzer auf dem Rücken trage, die Führung der Frankfurter. Der Rest ist Schreien, Umarmungen, die Faust in die Luft recken, High-Fives verteilen, zu Eine Insel mit zwei Bergen tanzen und dann langsam wieder in die Realität zurück finden. Es fehlt ja noch ein Tor zur endgültigen Erlösung. Schnell ist die Euphorie über den Ausgleich im Block O wieder verschwunden. Sie wird abgelöst von einer Ernüchterung, die mit jeder vergebenen Chance, mit jeder ertraglosen Ecke, mit jeder fragwürdigen Schiedsrichterentscheidung größer wird. Vor allem die Eckballstatistik - beim Abpfiff 14:1 für den FCA - lässt den ein oder anderen zum Zyniker werden. 'Regelverbesserungen' werden vorgeschlagen: 3 Ecken = 1 Elfmeter. Ja, wenn es doch nur so wäre! 

Dann, die 85. Minute. Der eingewechselte Stephan Hain erlöst mich, erlöst die Leute um mich herum, erlöst ganz Augsburg. Der Ball ist im Tor. Gerne würde ich beschreiben, was ich gefühlt habe. Geht aber leider nicht. Blackout nämlich. Purer Euphorie-Blackout. Aber es war gut. Sehr gut. 

Sehr pünktlich pfeift Kempter die Partie ab. Ein guter Mann. Dann stürmen Fans das heilige Grün. Die Spieler liegen übereinander. Luhukay läuft Slalom auf dem Rasen. Im M-Block drücken die Leute von hinten, sodass ein Tor geöffnet werden muss. Der Stadionsprecher bittet darum zurückzubleiben und nicht weiter zu drücken. Ich fühle mich an Stadionkatastrophen wie Hillsborough 1989 erinnert. Aber ich habe auch einen Hang zum Dramatischen. An diesem perfekten Tag geht alles gut aus. Den Leuten auf dem Rasen wird ein Aufstiegsshirt geschenkt, dann werden sie von der Polizei vom Rasen geleitet um für die Mannschaft Platz zu machen, die nun endlich auch mit der den Stehrängen feiern kann. Und wie sie feiern. Und wie wir feiern. Und wie alle feiern. 

Dann verschwindet die Mannschaft in den Katakomben des Stadions und wir machen uns auf den Heimweg. Noch schnell den Aufstiegsschal gekauft, kurz die Gesichtsmuskeln vom vielen Grinsen entspannt und dann ab nach Hause nach München. Mit so viel Freude im Herzen macht es auch nichts aus, dass man auf dem Heimweg noch ein bisschen von einem frustrierten 1860 Fan angegrantelt wird. Es ist Aufstieg!